Profile, Logins und Accounts: Den Digitalen Nachlass regeln

Sterben und vererben sind eigentlich eher unliebsame Themen. Viele Menschen machen sich erst spät im Leben darüber Gedanken. Doch vor allem für junge und Internet-aktive Menschen dürfte das Thema Digitaler Nachlass interessant sein. Was mit den digitalen Datenspuren nach dem Tod passiert, ist in Deutschland derzeit nämlich äußerst unzureichend geregelt.

Was ist der Digitale Nachlass
Der Digitale Nachlass bezeichnet die Daten in Online Profilen und Portalen, die User nach Ihrem Ableben hinterlassen. Dabei ist derzeit in Deutschland nicht einheitlich geregelt, ob Hinterbliebene Zugriff darauf erhalten dürfen oder nicht. Auch die Löschung von Profilen ist oft nur mit Sterbe- und Erburkunden zu erreichen. Besonders für Plattformen mit Bezahl- oder Bestellfunktionen ist es für Hinterbliebene von Bedeutung, Einblick in noch offene Bestellungen und Verkäufe zu bekommen.

Persönliche Rechte
Grundsätzlich geht der Schutz der eigenen Persönlichkeitsrechte auch über den Tod hinaus. Betreiber digitaler Angebote dürfen also Erben den Zugriff auf den Nachlass ihrer verstorbenen Angehörigen verwehren. Ausnahmen gibt es nur, sofern der Verstorbene dies vor seinem Tod explizit anders geregelt hat.

Gekaufte digitale Daten
Für Hinterbliebene sind manchmal die Lieblings-CD oder das Lieblings-Buch eines Verstorbenen schöne Andenken an die gemeinsame Zeit. Doch wie wird das im digitalen Zeitalter geregelt? Wer auf Onlineplattformen E-Books, Musik oder Filme erwirbt, hat leider derzeit keine Möglichkeit, diese seinen Nachfahren zu vermachen. Die bezahlten Nutzungsrechte enden mit dem eigenen Tod. Das ist in den AGB der Plattformen, wie beispielsweise iTunes oder AmazonPrime, verankert.

Welche Haltung haben die Internetdienste?
Auf eMail-Konten wie beispielsweise GMX oder Web.de kann man mit amtlichen Nachweisen als Erbe Zugriff erhalten. Das ist eine große Hilfe, wenn beispielsweise auf Ebay oder Paypal noch ausstehende Zahlungen oder Verkäufe geregelt werden müssen. Bei Yahoo oder Twitter hat man als Erbe allerdings schlechte Karten, diese Konten werden nach Ablauf einiger Fristen einfach gelöscht. Ein Xing-Konto kann mit amtlicher Todesmeldung auf inaktiv gesetzt werden. Das soziale Netzwerk Facebook gestattet Erben (die sich als solche ausweisen müssen) Profile von Verstorbenen löschen zu lassen oder diese in einen Erinnerungs-Modus zu überführen. Dort bleiben alle öffentlichen Postings bestehen, Geburtstagserinnerungen hingegen verschwinden. Daten und Chatinhalte bleiben ebenfalls unter Verschluss.

Banking
Zugänge zu Online Banking Profilen werden ähnlich gehandhabt wie analoge Kontovollmachten. Erben erhalten Zugriff entweder per Versorgungsvollmacht oder mit gültigem Erbnachweis. Ohne diese Dokumente ist ein Zugriff nicht möglich.

Auf Nummer sicher gehen
Um Streit und Irritationen vorzubeugen sollte man auch seinen digitalen Nachlass schon bei Lebzeiten regeln. Dabei sollte man bedenken, dass beispielsweise Accounts in sozialen Netzwerken für Angehörige eine wichtige Rolle in der Trauerbewältigung spielen können. Regeln können Sie diese Fragen in einem Testament. Accounts, Urheberrechte und ähnliches können dort einzeln aufgeführt werden. Eine gute Möglichkeit ist außerdem ein Passwortmanager, der alle Zugänge zu Plattformen verwaltet. Ein Generalpasswort dazu kann im Testament dann ebenfalls vermerkt werden. Ein Notar beglaubigt dieses und kann es verwahren, auch handschriftlich und daheim aufbewahrte Dokumente sind rechtsgültig.

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Veröffentlicht von

Simon Schandl
Simon Schandl

Simon Schandl arbeitet bei Greven Medien als Junior Online Marketing Manager. Bevor der gebürtige Bayer seinen Lebensweg nach Köln nahm, hat der studierte Wirtschaftsingenieur als freischaffender Social Media Manager die Kanäle diverser Firmen betreut.

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